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KALTE FÜßE

Genre: Romantik

Autorin: Maresa May

Ein markerschütternder Schrei gellte durch die sternenklare Winternacht. Die Berghütte, die als Liebesnest für Paare vermietet wurde, lag einsam in einer Mulde zwischen zwei Almen. Rundherum türmten sich die Berggipfel, Felsen und weitere Weideflächen des Gebirgszuges.

Diese Einsamkeit machte die Berghütte für Verliebten so verlockend. Die Stille, Ruhe und Ungestörtheit waren die Voraussetzung für die ungestörte Zweisamkeit.

Den Schrei hörte darum niemand, selbst die nächste Kuh befand sich viel zu weit weg.

 

“Um Himmels Willen, Schatz! Was ist los?!”, rief Kathleen erschrocken. Durch den Schrei ihres Mannes war sie aus dem Schlaf hochgeschreckt und saß nun kerzengerade im weichen King-Size-Bett der Hütte. Ihr Mann hatte sich die schwere Wolldecke bis unters Kinn gezogen. Er murmelte etwas Unverständliches unter der Bettdecke. 

 

“Weißt du, wie sich kaltes Metall auf deiner Haut anfühlt? Wie Eisdolche, Nadeln aus Eis, die sich in dein Fleisch bohren wollen? Eiswasser, das dich völlig unvorbereitet aus dem Schlaf reißt, dass du glaubst, die eisigen Finger des Todes strecken sich nach dir aus?”

Er musste einen Alptraum gehabt haben, anders konnte sich Kathleen dieses unzusammenhängende Kauderwelsch nicht erklären. Beruhigend nahm sie ihn in den Arm, streichelte ihm über den Kopf und kuschelte sich wieder an ihn. 

“Verdammt, Kathleeeen! Du machst es ja schon wieder!”, jammerte er und wand sich aus ihrer Umarmung.

 

“Was ist denn nur los mit dir?”

“Deine Füße! Hast du eine Ahnung, wie kalt deine Füße sind?!”

Für einen kurzen Moment blickte Kathleen ihren Mann erstaunt an. Dann begann sie zu lachen. Das ganze Drama wegen kalter Füße? Nach 10 Jahren müsste er sich an die doch bereits gewöhnt haben! Sie holte sich ihre Wollsocken, die ihr Mann ihr zum ersten Jahrestag geschenkt hatte und zog sie über. Dann robbte sie vorsichtig wieder an ihn heran. 

 

“Besser so, Schatz?”

“Viel besser, Liebling. Danke.”

Und noch während er dies sagte, schlummerte er zufrieden wieder ein.

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