

GSCHNAS
Genre: Nachtfalter Bonus-Story
Autorin: Rhea Ross | Maresa May
“Welches Nudelaug hat denn die saublede Idee ghabt, dass ma auf ein Gschnas gehn?”
Hans schimpfte ungehört in seinen nicht vorhandenen Bart. Seine Verkleidung für die Faschingsfeier bestand aus einem runden Papphut und einem Kimono, den er einfach über seine Hausmeisterkleidung geworfen hatte. Am Eingang des kleinen Lokals in einem Provinzkaff in Niederösterreich hatten ihm die jugendlichen Feuerwehrmänner und -frauen ihm noch eine furchtbar grelle Neonbrille und einen Blumenkranz in die Hand gedrückt. Er konnte nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, ob sie als Feuerwehrleute verkleidet waren oder tatsächlich Mitglieder der Feuerwehrjugend waren. Grantig exte er seinen fünften Tequila-Shot. Das Publikum war gemischt von alt bis jung, die meisten Verkleidungen bestanden aus billigen Plastikperücken, Glitzerumhängen und allerlei absurden Faschingsbrillen. Die Musikauswahl bewegte sich zwischen Andreas Gabalier, Helene Fischer und den üblichen “Partykrachern” wie “Das rote Pferd” und dem “Fliegerlied”.
Es war furchtbar. Auch der Alkohol, den sie ausschenkten, war billiger Fusel.
“Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?” tönte es da gerade auch aus den Lautsprechern. “Hölle! Hölle! Hölle!”, grölten die Anwesenheit unisono, während einige von ihnen schon auf den Tischen tanzten.
“Na wirklich, Andi, warum tust du mir diese Hölle an?”, jammerte Hans wieder. Andreas musste lachen. “Aber Hans, das war deine Idee, dass wir außerhalb von Wien auf ein Gschnas gehen!”
“Aso? Ich bin echt a fester Trottl.”
Onkel Louie brachte Andreas und Hans noch ein Bier.
“Schau ned so zwider”, forderte er den Hausmeister auf. “Es ist nicht einmal zehn Uhr und alle sind schon bsoffen! Ist das nicht traumhaft?”
“Ned wirklich”, brummte Hans. Louie rückte seinen Glitzer-Fedora zurecht.
“Dann, mein Lieber, bist einfach immer noch zu nüchtern. Prost, Burschen!”
Ein paar Stunden später schliefen alle drei in Onkel Louies Taxi ihren Rausch aus. Als dieser sie am nächsten Morgen nach Wien brachte, hatte Hans einen riesigen Brand zu löschen. “Ich hab einen ganz schiachen Traum gehabt”, stöhnte er. “Ich hab träumt, ich hab mit Elvis und Lady Gaga “Viva Colonia” gesungen und anschließend mit einer Horde Feuerwehrleut den “Cotton Eyed Joe” getanzt.”
“Und dann hats dich vom Tisch runterghaut”, ergänzte Andreas grinsend. Louie lachte laut auf und Hans entgleisten die Gesichtsmuskeln.
“G-g-genau! Woher weißt du das?”
“Das war kein Traum, das ist tatsächlich so passiert. Du hast auf den Heurigenbankerln die Performance deines Lebens abgeliefert. Du hast nie erwähnt, dass du so eine Rampensau bist!” Hans wurde rot und vergrub das Gesicht in den Händen.
Louie trommelte vergnügt mit den Fingern auf dem Lenkrad.
“Ich hab euch ja versprochen, das Gschnas wird garantiert unvergesslich!”
Andreas öffnete Louies Handschuhfach und nahm zwei 0,33l-Bierflaschen heraus.
“Hier”, er öffnete beide und reichte Hans eine nach hinten auf die Rückbank, “Das Reparaturseidl wirst brauchen.”
“Andi, bei allem was ma heilig is und bei meinen Pensionsplänen in Thailand: Versprich ma eins: Nehmts mich niemals wieder mit auf ein Gschnas.”